Frankreich

Weiter gehts nach Frankreich

In La Louviere, kurz vor der französischen Grenze, traf ich meinen Freund Rhino wieder, den ich bereits in Georgien, St. Petersburg und auf dem Weg zur Zugspitze getroffen hatte. Nun sahen wir uns erneut in Belgien und ich begleitete ihn einen Tag lang auf seinen Sitzungen als Yogalehrer. Wir verbrachten eine gute Zeit zusammen und nach einem erholsamen Tag, freute ich mich schon auf die Weiterreise nach Frankreich.

Zunächst konnte ich mich an den Lauf eines Kanals halten, bevor ich über einen schmodrigen Weg, gänzlich unscheinbar, die Grenze nach Frankreich passierte. Im Dunkeln erreichte ich Valenciennes und durch ein bisschen Glück fand ich einen Gastgeber und verbrachte die Nacht dort.

Mein Gastgeber Arnaud war auch ein passionierter Radfahrer und bekam Lust darauf, mich zu der nahegelegenen Stadt Cambrai zu begleiten. Dies tat er auch und dort angekommen, tranken wir noch zum Abschluss eine gemütliche Tasse Tee. Von dort aus ging es durch die Felder nach Saint Quentin und schließlich zum Canal Sambre. An diesem Tag legte ich stolze 90 Kilometer zurück und freute mich auf den nächsten Tag, der mich weiter in Richtung Paris führen würde.

Eine Herausforderung in Frankreich

Die Nacht brachte Regen, und mein Zelt war am nächsten Morgen klatschnass. Ich konnte es nicht trocknen und packte es daher feucht zusammen. Trotzdem folgte ich dem Eurovelo 3, dem Weg, den ich bis nach Charleroi in Belgien gefahren war. Nach 70 Kilometern erreichte ich Compiegne und fürchtete den Schneeregen, der für den nächsten Tag vorhergesagt wurde.

Eine historische Stadt in Frankreich

Es war der 23. Mai 1430 als Jeanne d’Arc – die Jungfrau von Orleans – vor den Toren von Compiègne fiel.

Ich hatte die Freude diese wunderschöne Stadt, 70 Kilometer vor Paris, zu besichtigen.

Ich schlenderte durch die schmalen Gassen, vorbei an den mittelalterlichen Fachwerkhäusern, zu den zwei beeindruckenden Kirchen, der Église catholique Saint-Jacques und der Église Saint-Antoine de Compiègne.

Ich liebe es, die französischen Dörfer und die kleinen Städte zu besuchen. Sie bringen mich jedes Mal ins Mittelalter zurück und ich genieße die natürliche Energie, die von ihnen ausgeht. Ich konnte mich gut erholen und konnte meinen Weg nach Paris fortsetzen.

Auch der nächste Tag entwickelte sich zu einem historischen Pfad, der dem Leben von Jeanne d´Arc nachempfunden war. Ich hatte die Gelegenheit, die Stadt Senlis zu besichtigen, die von Jeanne d’Arc besucht wurde. Die alte Kathedrale und die historischen Gassen faszinierten mich, und ich setzte meine Reise nach Paris fort. Der Weg war geprägt von einer hügeligen Landschaft, welche mich immer wieder aufwärts und abwärts schickte, sowie Regen und starken Gegenwind. Bei Einbruch der Dunkelheit  erreichte ich Saint-Denis, einem Vorort von Paris und nächtigte dort.

Ankunft in Paris

Ich erreichte Paris und markierte das Etappenziel traditionell mit der Moerser Flagge. Obwohl es an diesem Tag nur 50 Kilometer waren, erschwerte mir der starke Wind die Fahrt, und ich wurde bis auf die Socken durchnässt. Es war der erste Regen nach zwei Monaten in Frankreich. In den nächsten Tagen sollte sich das Wetter nicht bessern, aber ich hoffte, dass ich es bis nach Orleans schaffen würde.

Blois und Saint-Gervais-la-Forêt

Die Tage waren wetterbedingt sehr schwer, und wegen überaus starkem Regen und Sturm steckte ich in Étampes fest. Weder mit dem Fahrrad noch mit dem Zug konnte ich vorwärtskommen. Am nächsten Tag schließlich erreichte ich doch noch Orleans, die Stadt, die von Jeanne d’Arc befreit wurde. Ich genoss die mittelalterliche Stadt und setzte meine Reise nach Blois fort, entlang der Loire Flusslandschaft und bei kaltem Wetter. Die Gegend um die Loire beeindruckte mich zutiefst. Unterwegs lernte ich Maria aus Dänemark und ihren französischen Ehemann Manuel kennen. Sie waren sehr an meiner Reise interessiert und wir hatten eine schöne Unterhaltung. Ich befand mich auf dem Weg nach Blois am Loire, auf der anderen Flussseite lag das verschlafene Örtchen Saint-Gervais-la-Forêt. Maria und Manuel luden mich dorthin zu sich ein. Eine Einladung, welche ich zunächst ausschlug, da ich schon einen Gastgeber in Blois hatte, ein Städtchen am anderen Flussufer. Maria und Manuel sollte ich trotzdem wieder sehen. Ein Unwetter zog auf und ich durfte am nächsten Tag in Saint-Gervais-la-Forêt verweilen.

Die Schönheit der Loire

Ich genoss das sonnige Wetter, wenn auch nur kurzweilig, und erkundete die mittelalterliche Stadt Blois, die wieder von Jeanne d’Arc besucht wurde. Der historische Pfad riss nicht ab. Blois war einst die Hauptstadt Frankreichs und hat eine ausgiebige historische Vergangenheit. Ich besichtigte die Altstadt und fuhr dann weiter nach Saint-Gervais-la-Forêt, um dort die nächsten zwei Tage mit Maria und Manuel zu verbringen. Ich wurde wie ein König empfangen und die zwei zeigten mir die Umgebung. Wir fuhren nach Chambord und ich war überwältigt von der Schönheit des Schlosses von Chambord, dem zweitgrößten Schloss in Frankreich. Die Region um die Loire hat so viel zu bieten, und ich freute mich darauf, später einmal wieder zurückzukehren.

Nach drei Tagen Pause wegen des Unwetter konnte ich wieder starten.

Ich dankte Maria und ihrem Mann Manuel und wurde und verließ schweren Herzens Saint-Gervais-la-Forêt.

Es ging weiter den Fluss, die Loire, entlang und konnte nicht fassen, in welch wunderschönen Umgebung ich mich befand.

Unterwegs lernte ich noch den Radreisenden Thibauld kennen, unsere Ziele glichen sich etwas. Auch er wollte nach Nordafrika und peilte Marokko als sein Ziel an, allerdings wollte er Afrika erst viel später erreichen. Wir verstanden uns sehr gut und konnten uns über Gott und die Welt unterhalten. Wegen mir machte Thibauld einen kleinen Umweg nach Amboise, eine Entscheidung die er nicht bereuen sollte.

Was uns in Amboise erwartete, gehörte schon zu dieser Zeit, zu einem meiner Höhepunkte der Reise. Leonardo da Vinci aus Florenz verbrachte seinen Lebensabend in Aboise und wurde auch hier bestattet.

Es war ein unglaubliches Gefühl, in seinem Haus zu stehen und sein Atelier zu besichtigen. Wieder einmal, Geschichte zum anfassen.

Ich setzte meinen Weg fort und erreichte nun die Stadt Tours, meine letzte Stadt der Loire Flusslandschaft, von hier aus sollte meine Reise mich nun in Richtung Atlantik führen. 

„Da wusste Martin, dass er dem Bettler helfen musste. Außer seinem Soldatenmantel und seinem Schwert trug er jedoch nichts bei sich. Kurzerhand nahm er das Schwert und teilte seinen warmen Mantel mitten entzwei.“

Jeder kennt die Geschichte des Sankt Martin. Ohne es zu ahnen, stand ich nun in der Stadt Tours, der Wirkungsstätte des historischen Saint Martin.

Hier, in der Basilique Saint-Martin de Tours, wurde er auch begraben und ich konnte es mir nicht nehmen lassen, hinab in die Krypta zu steigen und sein Grab zu besichtigen. Geschichte zum Anfassen beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.

Ich verließ nun die Loire Flusslandschaft und machte mich auf den Weg nach La Rochelle, der Hafenstadt am Atlantik.

Ich fuhr über die Felder, folgte wie gewohnt dem Jakobsweg und durchquerte wunderschöne französische Dörfer.

Auf meinem Weg nach La Rochelle erwartete ich nichts Großartiges und wurde wieder überrascht. In Dissay sah ich ein Märchenschloss und konnte nicht anders als dort einen Moment zu verweilen.

Der starke Gegenwind erschwerte mir wie schon seit Beginn der Reise den Weg, doch hielt mich nicht davon ab, nach Poitiers zu kommen.

Der Charme der hoch gelegenen Altstadt ist wunderbar und es bereitete mir Vergnügen, durch die Gassen von Poitiers zu fahren. Hier fand ich den Schlusspunkt des Pfades auf dem leben von Jeanne d´Arc. In der Altstadt befand sich noch das Haus in dem sie vor der Verbrennung gefoltert wurde. Ein trauriger Abschluss.

Von Poitiers nahm ich bei heftigen Regen den Weg zum Atlantik und erreichte schon bald die Hafenstadt La Rochelle. Ich war nun endlich angekommen und ließ die Seeluft durch meine Lunge ziehen, ein herrliches Gefühl.

Auch La Rochelle ist eine historisch wichtige Stadt, die tausendjährige Hafenstadt war ein wichtiger Bezugspunkt für die Geschichte der Seefahrt in Frankreich.

Das Wetter wurde wieder klarer und mein Weg führte mich auf dem Eurovelo 1 am Atlantik entlang. Dies weckte Erinnerungen an meine erste Reise am Mittelmeer. Der Blick auf die See, beruhigt immer wieder meine Seele.

Es war ein schönes Gefühl wieder am Strand Zelten zu können und ich nutzte jede noch so kleine Chance dafür.

Ich bin der Liebe zum Atlantik verfallen. Die endlosen Strände, in dem noch tristen Wetter, haben mich gefangen. Der Atlantik ist unbändig und wild und schreit danach herausgefordert zu werden. Trotz meiner ausgedehnten Pausen und Träumereien an den Stränden, habe ich es an manchen Tagen doch auf 80 Kilometer geschafft und ließ mich am Strand, kurz vor Hourtin nieder.

Ich habe so viele unglaublich schöne Orte gesehen und genieße jede Sekunde hier am Atlantik.

In Royan habe ich die Fähre auf die französische Halbinsel Médoc genommen und so fuhr ich durch die Wälder, nahe der Küste.

In der Stadt Soulac-sur-Mer traf ich auf die Freiheitsstatue, die Bildhauer, namens Bartholdi, gefertigt wurde, welcher auch für Freiheitsstatue in New York verantwortlich ist.

Am nächsten Tag verließ ich die Halbinsel Medoc wieder und befand mich nun auf dem Weg nach Spanien.

Die Reise an die Atlantikküste

Nach 80 Kilometern erreichte ich das Cap Ferret, welches für seine bildschönen Dünen und dem Leuchtturm bekannt ist.  Die Küstenlandschaft beeindruckte mich, aber ich kam nicht umhin, die Überreste des Atlantikwalls aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Die Bunker und Ruinen zeugten von einer schrecklichen vergangenen Zeit. 

Ich überquerte die Fähre zum Festland und fuhr durch Arcachon zu den riesigen Sanddünen, einem Naturspektakel, das ich nicht verpassen wollte. Doch hinter den Dünen verbarg sich eine Naturkatastrophe. Ein Waldbrand hatte 2022 7.000 Hektar Wald verwüstet. Ich durchquerte die verkohlten Wälder und sah mit Schrecken, wie das Feuer ganze Landstriche ausgelöscht hatte. Diese Bilder beschäftigten mich noch lange und ließen mich auch am Abend nicht los, als ich an einem menschenleeren Strand dem Sonnenuntergang zusah.

An meinem letzten Tag zeigte sich Frankreich, an der Küste des Atlantik, von seiner besten Seite. Auch wenn der Tag mit Sturm und Regen begann, so sah ich wundervolle Orte und eine atemberaubende Landschaft. Biarritz glänzte mit einer unfassbar wunderschönen Küste und einzigartigen Felsformationen.

Ich werde Frankreich in guter Erinnerung behalten und sogar einige Orte wieder besuchen.

Mit Hendaye hatte ich sogar noch das Glück, ein kleines Stück Baskenland zu besichtigen und auch mit einheimischen zu reden welche sich für ein unabhängiges Baskenland engagieren um ihre Kultur zu bewahren. Der Wunsch nach Unabhängigkeit ist, berechtigt, ein ständiges Thema der Basken, das vielleicht sogar älteste Volk in Europa.

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