Spanien

Meine Reise durch Spanien

Dieses Mal steuerte ich den Eurovelo 1 an, der über die Pyrenäen führte. Am Abend zuvor leistete ich schon einen Teil der Vorarbeit, obwohl dies im Dunkeln nicht so ratsam ist. Ein Teil des Weges war durch starke Regenfälle weggespült, das Loch im Weg habe ich Dunkeln fast übersehen. Ich erreichte eine kleine Rasthütte und schlug dort mein Zelt auf, um mich auf die Überquerung der Pyrenäen vorzubereiten.

Nun standen 80 Kilometer auf dem Plan, mit 1200 Höhenmetern über die Pyrenäen.

Wie so oft, verlief der Anfang ziemlich gut und sehr entspannt. Ich durchquerte eine malerische Landschaft voller Grün, weite Wiesen und auch einem Wasserfall. Ich befand mich noch immer im Baskenland und kam oftmals ins Gespräch.

An einer Weggabelung müsste ich mich entscheiden, ob ich den Eurovelo 1 weiter fahre oder eine Abkürzung nehme.

Durch die Prärie 

Ich habe mich für die Abkürzung entschieden, welche dann steil hinauf ging und die fahrbare Straße verließ. Das Fahrrad wurde samt Gepäck mehr geschoben als gefahren, oft kam mir der Pfad unwegsam vor, Zweifel machten sich in mir breit.

Ich dachte oftmals, dass es nicht mehr zu schaffen ist und musste sehr oft Schlammlöcher durchqueren. Irgendwann am späten Nachmittag kreuzte sich der Pfad mit Asphalt und ich konnte wieder richtig mit dem Fahrrad fahren. 

Es war schon dunkel, als ich in Pamplona ankam und hoch über der Stadt, auf einem kleinen Hügel, stellte ich mein Zelt auf, mit freiem Blick auf die Sterne.

Ich erfüllte am ersten Tag jedes Klischee und aß Tapas und besuchte danach die Stierkampfarena, die ich nur von außen betrachtete. Pamplona war die berühmte Stadt des zurecht verhassten Stiertreiben. In der Altstadt standen Statuen der Stiere und Matadore und verherrlichten diese alte Tradition.

Lange hielt ich mich nicht dort auf. Der Weg nach Madrid schien lang und die Fahrt durch die Pyrenäen war noch in meinen Beinen zu spüren.

Anfangs konnte ich noch dem Jakobsweg folgen, doch schon bald verließ ich ihn.

Zu meinem Unglück ging es, abseits der befestigten Straße, wieder bergauf und 900 Höhenmeter waren zu bewältigen. Der Schotter ließ mich immer wieder abrutschen, doch schließlich überwand ich auch dieses Hindernis und bald kam ich wieder auf den Asphalt.

Ich fuhr weit abseits der Stadt und jeglicher Zivilisation. Ich befand mich auf einem Feld und sah nur weit draußen die schwachen Lichter einiger Dörfer.

Ein starker Wind zog auf und bei Anbruch der Dunkelheit fand ich eine leerstehende Hütte die mir Schutz bot.

Das Haus war wohl Reisenden wie mir vorbehalten, ein kleines Gästebuch bestätigte meine Theorie. Es war mit einer Couch, Ofen und einer Art Bett ausgestattet, nichtsdestotrotz, rollte ich meinen Schlafsack aus und lauschte dem Wind, der sich spät in der Nacht noch zu einem Sturm entwickeln sollte.

Der Morgen erstrahlte und sah meine kleine Hütte und die Felslandschaft drumherum im Licht der Morgensonne. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass es mich in die spanische Prärie verschlagen würde. Ich folgte dem Weg und das Grün der Pflanzen und die Felder verschwanden allmählich. Der Boden wurde trockener und riss an manchen Stellen auch auf. Eine weite Wüste erstreckte sich vor mir und ich kämpfte mich mit meinem Fahrrad durch.

Ich kam an einer Burgruine vorbei, die einsam auf dem Gipfel eines Berges stand. Ich fühlte mich, positiv angemerkt, so einsam wie die Burgruine, wahrscheinlich auch genauso kaputt. Mit dem Gepäck war es gar nicht so einfach, über den Schotter zu fahren, den riesigen Rissen im Boden auszuweichen und gleichzeitig der umwerfenden Natur jene Beachtung schenken, die sie verdient.

Immer wieder durchquerte ich trockene Seen oder Flussbetten, ein Umstand der mich sehr traurig stimmte und trotzdem mit dem Fahrrad herausfordernd war. Ich passte einen Moment nicht auf und versank mit meinen Beinen und dem Fahrrad im Schlick. Bei dem Versuch mich aus dem Ungetüm raus zu kämpfen, kippte ich um und wurde komplett mit Schlamm eingedeckt. Bei der Hitze trocknete der Schlamm sehr schnell und der Dreck setzte sich in allen Poren fest und auch das Fahrrad wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Ich erreichte einen halbwegs normalen Pfad wieder und dieser führte mich zu einer besonderen Felsformation namens – Bardenas Castildetierra – und von dort aus nach Tudela.

Über die Gebirgskette nach Madrid

Die nächsten Tage streifte ich mit dem Fahrrad, quer durch das Land bis nach Madrid. Ich durchquerte kleinere Städte und Dörfer und konnte somit das Land und die Geschichte kennenlernen. Ich nahm entlegene Routen über die Städte Tarazona und Almenar de Soria. Geisterdörfer, halb zerfallen und dennoch bewohnt kreuzten meinen Weg. Vor den Toren Amenar de Sorias, erwartete mich eine mächtige Burg.

Der Gegenwind war mein allgegenwärtiger Gegner. Ohne Erbarmen steigerte der Gegenwind seine Intensität und blies ohne Unterlass. Es war ermüdend und kraftraubend, ständig dagegen anzukämpfen. Oftmals musste ich mir schützende vier Wände suchen, um mich ein wenig vom Wind zu erholen.

In dieser Woche lebte ich für mich allein und kämpfte mich von Gebirge zu Gebirge und trotzte den Steigungen, so hoch und steil sie auch waren. Mein Zelt ist zu diesem Zeitpunkt wieder richtig zu meinem Zuhause geworden und ich lebte von Tag zu Tag von Baguette und Pasta mit Soße. Irgendwann erreichte ich meine Gastgeberin Sofia in Torrejón de Ardoz, einem Vorort von Madrid.

Hier war ich nun angelangt, vor den Toren der Hauptstadt Spaniens. Hier begann ein kleiner Wendepunkt meiner Reise.

Ich musste noch ein paar Tage auf mein Visum für Algerien warten. Dies hatte ich in Deutschland beantragt und der Reisepass wurde mir von Deutschland aus nach Madrid geschickt. 

Zudem musste meine Reise nun getaktet werden, ich musste meine Ankunft und Abfahrt in Marokko planen, um rechtzeitig in Algerien anzukommen. 

Ich beschloss noch kurzerhand, meine Weiterfahrt nach Saudi-Arabien zu planen, dies sollte eine kleine Bonusfahrt werden und meinem Vorhaben aus 2020 entgegenkommen.

Eine traurige Entscheidung, die getroffen werden musste, betraf meine Route durch Spanien. Durch die Tage, die ich in Madrid verbrachte, verlor ich an Zeit und mir war daran gelegen, pünktlich zum Start meines Visums in Algerien anzukommen. So kam ich dazu, meine Route um 300 Kilometer abzukürzen und in Granada weiterzumachen. 

Die freie Zeit nutzte ich, um mein Fahrrad ordentlich zu säubern. Durch den Vorfall in der Schlamm-Mulde war mein Fahrrad voller Dreck und der setzte sich in der Gangschaltung fest. Die frische Dusche tat dem Fahrrad sehr gut.

Mein Reisepass kam und wurde mir von Marta übergeben, sie hatte ich 2019 auf meiner Reise durch den Iran kennengelernt. Ich brach noch im selben Moment zum Bus auf, um nach Granada zu fahren.

In Andalusien

Ich kam mitten in der Nacht in Granada an und konnte glücklicherweise bei meiner Gastgeberin übernachten. Sie bot mir auch freundlicherweise an, am nächsten Morgen mein Gepäck zu beaufsichtigen damit ich die Alhambra, die arabische Stadtburg aus dem 13. Jahrhundert, besuchen konnte. Leider sah ich nur einen kleinen Teil von außen da ich kein Ticket mehr bekam. Also besichtigte ich die schöne Altstadt von Granada und folgte der Straße zur Küste.

Motril war die nächste Stadt an der Küste, die Straße führte am Berg Sierra Nevada vorbei, sein schneebedeckter Gipfel, grüßte mich schon von weitem. Ein imposanter Anblick.

Ich fuhr am Rand der Gebirgskette entlang, durfte aber noch eine gewaltige Steigung in Kauf nehmen. Die Abfahrt brachte mir noch eine wunderschöne Aussicht auf einen Stausee mit Damm. Eine tiefe Schlucht erstreckte sich noch vor mir und geleitete mich zur Küste.

Ich ließ Motril links von mir liegen und fuhr schräg zur Küste hinunter und gelangte nun endlich an das Mittelmeer. Auf meiner ersten Reise 2017, folgte ich dem Küstenverlauf und hatte das Mittelmeer stetig an meiner rechten Seite. In Italien bekam ich die Möglichkeit, mein Zelt oftmals am Strand aufzubauen. Diese schöne Tradition wollte ich in Spanien am Mittelmeer weiterführen. Das Mittelmeer war ein guter Begleiter und so war es für mich, als würde ich einen alten Freund nach langer Zeit wieder in die Arme schließen. Es war ein erfreutes und vertrautes Gefühl und ich wusste, dass ich diesen Abschnitt der Reise genießen werde. Die Rückkehr zum Mittelmeer erfüllte mich mit Freude, und ich liebte jede Minute dieser Erfahrung. 

Am Mittelmeer entlang

Mein nächstes großes Ziel war nun Malaga. Schon weitem konnte ich die Küstenstadt Caleta-La Guardia sehen. Die weißen Häuser schienen auf einen Hang geklettert zu sein, um mich zusammen mit dem Meer in Empfang zu nehmen. Ich folgte der Gasse, die mich hoch auf den Hang führte, von dort aus hatte ich einen guten Überblick auf das Abenteuer, was mich erwartete. Es ging immer wieder auf und ab an der Küste entlang, ich durfte mich auf ein paar Höhenmeter innerlich vorbereiten, nahm aber die Aussicht auf das Mittelmeer als eine gute Entschädigung. Anders als auf meiner ersten Reise, als das Mittelmeer unmittelbar auf meiner rechten Seite lag, fuhr ich auf der rechten Straßenseite und das Mittelmeer lag zu meiner Linken. Somit war der Blick nicht immer frei, doch meiner Motivation schadete es nicht und oft genug war der Horizont mit dem weiten blauen Meer zu erblicken.

Auf meinem Weg nach Malaga kreuzte ich kleinere Städte wie La Herradura oder Torre del Mar und zeltete am Strand, die Wellen wiegten mich in den Schlaf und die Sterne wachten über mich. So gelangte ich immer wieder zur Ruhe, um mich von den Strapazen des Tages zu erholen. Denn nicht nur das Auf und Ab der Küste strengte mich an, sondern auch der permanente Gegenwind, der stetig meine Weiterfahrt behinderte. Dennoch gelangte ich bei strahlendem Sonnenschein nach Malaga und konnte einem prachtvollen Ereignis beiwohnen.

Die Semana Santa

Auf meinen Reisen vergesse ich teilweise, welcher Wochentag gerade ist und auch sonstige Feierlichkeiten wie Weihnachten gehen fast an mir vorbei. So war es auch mit Ostern, als ich Malaga erreichte. Zu Ostern werden in Andalusien die Semana Santa gefeiert, übersetzt, die heilige Woche. In der Karwoche geht mehrmals eine Prozession durch die Stadt, nicht nur in Malaga, sondern in ganz Andalusien. Mit Malaga hatte ich das Glück, in eine prachtvolle Prozession zu geraten. 

Ich war auf dem Weg zu meinem Gastgeber und fuhr durch die Innenstadt. Die langsam anwachsenden Menschenmassen, ließen das nicht zu und es bildete sich eine Gasse, ich ahnte was nun folgen würde. Eine Gruppe von Menschen unter blauen Kutten, kirchlicher Tradition entsprechend, lief unter tönender Blasmusik die Gasse entlang. Sie schritten langsam voran, blieben immer wieder stehen und schon von weitem sah ich dass ein riesiges Gebilde um die Kurve kam. Ein goldener Schrein, getragen von zwanzig Männer mit weißen Handschuhen, kam mir nun entgegen. Der goldene Schrein, war reich mit kleinen Figuren verziert, goldene Streben ragten empor und ringelten sich umeinander und ergaben ein wahrhaft tolles Bild, in der Mitte stand eine Abbildung der Jungfrau Maria. Die Kapelle lief direkt hinterher und im Takt trugen die Männer den goldenen Schrein auf ihren Schulter die Gasse hinunter, an mir vorbei. Mit jedem Schritt wiegte der Schrein hin und her und doch wurde er behutsam getragen. Eine Schar von schwarzgekleideten Frauen schritt hinterher, bedächtig, anmutig und niemals ohne den goldenen Schrein aus den Augen zu verlieren. So begegnete ich der Semana Santa, eine Prozession, welche ich nie wieder vergessen werde.

Einen Tag in Gibraltar

Noch bevor ich die Meerenge von Gibraltar erreichte, konnte ich schon einen kleinen Meilenstein feiern. Ich konnte auf stolze 2.000 Fahrradkilometer zurückblicken, mit einem kleinen “Jippiiee” feierte ich es im Stillen.

Ich war lange am überlegen, obwohl es schon für mich feststand, ich möchte Gibraltar sehen. Eine englische Enklave auf der iberischen Halbinsel, spannend genug, dass ich ein neues Land besuchen konnte. Zunächst galt es auch hier wieder, der Weg ging auf und ab und der Gegenwind blies ohne Unterlass. Eine Reihe von schönen Stränden machte mir die Aufwartung und die Aussicht, wenn ich genug Höhenmeter erklommen hatte, war phänomenal.

Der Fels von Gibraltar begrüßte mich aus der Ferne und ich eilte schneller, sobald ich ihn sah. 

Der Grenzübergang stellte kein Problem für mich dar. Ich hielt mich nur in der Altstadt auf und spazierte durch die Gassen. Es machte sich wirklich in mir das Gefühl breit, als würde ich durch London marschieren. Ich konnte mein Geld in Pfund umtauschen, aß ein überteuertes Eis und genoss den englischen Flair der Stadt. Die Sonne sollte schon bald untergehen und ich fuhr die Hauptstraße entlang, vorbei am Moorish Castle, in Richtung der Grenze. Mein kleiner Ausflug nach Gibraltar endete schon bald und ich fuhr die Meerenge von Gibraltar entlang, vorbei am Industriehafen, zum Strand von Algeciras. Hier baute ich mein Zelt auf. Die untergehende Sonne malte mit ihren schönsten Farben am Himmel und umzeichnete den mächtigen Felsen von Gibraltar. Er ragte mächtig in der Dämmerung empor, winzige Vögel kreisten um ihn umher und wie ein Schatten aus einer anderen Welt, verschmolz seine Kontur mit dem Abendrot des Himmels. Die Lichter der anliegenden Schiffe im Industriehafen, sowie der Hafen selber, fügten sich wunderschön in dieses Bild ein. Mit den Augen zu diesem Gemälde gerichtet, schloß ich mein Zelt und legte mich schlafen.

Abschied von Europa

Mein letzter Morgen in Spanien, begann mit dem Sonnenaufgang, direkt neben dem Fels von Gibraltar. Schöner hätte der Tag nicht beginnen können. Von Algeciras aus waren es nur 25 Kilometer bis nach Tarifa, mein Abfahrtshafen nach Marokko. Ich verließ den malerischen Strand, verabschiedete mich innerlich vom Felsen von Gibraltar und nahm nun den kürzesten Weg nach Tarifa, der über die Schnellstraße führte. Ein kleines Gebirge erstreckte sich an der Küste entlang, dieses war aber einfach zu bewältigen und nach einiger Zeit kam ich am Mirador del Estrecho an, ein Aussichtspunkt von dem ich einen Blick auf die Straße von Gibraltar werfen konnte, jene Meerenge zwischen Europa und Afrika. Ich kniff meine Augen zusammen und meine, das afrikanische Festland auf der anderen Seite gesehen zu haben, möglich wäre es. Motiviert von dem Anblick, trat ich noch fester in die Pedale und bald schon ging es wieder bergab und mit dem mir bekannten Gegenwind erreichte ich auch Tarifa. Ich deckte mich zunächst mit ein paar Lebensmittel ein, so viel ich tragen konnte. Ich wollte mir bekannte Lebensmittel mitnehmen, da ich nicht wusste, was mich in Marokko erwarten würde. Im nächsten Schritt fuhr ich zum Hafen hinunter, um mir eine Fahrkarte für das nächste Schiff zu kaufen. Nichts leichter als das, nach zwanzig Minuten, konnte ich die Fahrkarte nach Tangier, den Hafen in Marokko, mein Eigen nennen. Ich musste noch ein wenig abwarten und konnte mir Tarifa ansehen, zumindest um den Hafen herum. Dass die Stadt vom Tourismus geprägt ist, müsste ich an dieser Stelle eigentlich nicht erwähnen, doch dafür, dass ich außerhalb der Saison da war, ist schon sehr viel los gewesen. Das Schiff legte an und ich brachte mein Fahrrad in den Bauch des Schiffes und lief sofort auf das Oberdeck. Das Schiff legte inzwischen ab und entfernte sich immer mehr von der Küste. Ich zog meinen Hut und sah uns vorbei an dem Leuchtturm fahren. “Auf Wiedersehen Europa, danke für eine schöne Reise und eine gute Zeit, wir sehen uns bald wieder.”

Nächste Seite